Luise die Erste
Uraufführung
Schauspiel | Theater Oberhausen
„Das moralisch Richtige kann niemals das politisch Falsche sein.“
Mit diesem Leitsatz ist die Politikerin Luise Albertz (1901–1979) Oberhausen bis heute im Gedächtnis. Sie wurde auch „Kumpeline“ oder „Mutter Courage des Ruhrgebiets“ genannt – Ehrentitel, die nach Kohlenstaub klingen, nach Wiederaufbau, nach Streitlust, aber auch nach Fürsorge und Wärme. Albertz interessierte sich während ihrer langen Karriere – ob auf kommunaler oder Bundesebene – nicht fürs Rampenlicht. Erfüllung fand sie vielmehr in der konkreten Politik für ihre Mitbürger:innen. Schon als Jugendliche tritt sie der sozialistischen Arbeiterjugend und später der SPD bei. Sie beginnt ihre politische Karriere nicht auf Podien, sondern am Schreibtisch in der Verwaltungspraxis. Während des NS-Regimes wird ihr Vater 1944 verhaftet und vermutlich im KZ Bergen-Belsen ermordet, sie selbst verliert ihre Anstellung. Doch Luise verharrt nicht im Schmerz. Nach 1945 hilft sie beim Wiederaufbau der SPD, arbeitet in der Stadtverwaltung – und wird 1946 die erste weibliche Oberbürgermeisterin einer deutschen Großstadt. Zehn Jahre später wird sie erneut gewählt und bleibt bis zu ihrem Tod im Amt: 25 Jahre Politik in Oberhausen, mitten in den Härten des Strukturwandels, immer mit einem offenen Ohr für alle Belange des Gemeinwesens und voll des tiefen Pflichtbewusstseins.
Sie war eine der Politikerinnen, die sich in der Bonner Republik hart erkämpfen mussten, an den demokratischen Entscheidungsprozessen beteiligt zu sein. Unerschrocken und beharrlich setzte sie sich gegen Sexismus, Paternalisierung, Vorurteile und Diskriminierung durch – und ebnete den Weg für nachfolgende Frauengenerationen. In einer Gegenwart, in der sich politische Führung wieder allzu oft in Machtgesten und Willkür erschöpft, steht der Name Luise Albertz heute noch für starke Resilienz, Integrität und kluge, empathische Führung.
Die in Oberhausen geborene Autorin Stefanie de Velasco schreibt für das Theater Oberhausen ein neues Stück über diese außergewöhnliche Politikerin. In ihren Romanen und Essays schreibt sie leichtfüßig und präzise über Frauen und ihre Lebenswelten: Mit wachem Blick für Milieus, feinen Sprachspielen und einem Humor, der nie zynisch wird, widmet sie sich Themen wie Emanzipation, Wechseljahre, Abtreibung oder alternativen weiblichen Lebensentwürfen. Intendantin und Regisseurin Kathrin Mädler wird den Text in der Ausstattung von Franziska Isensee zur Uraufführung bringen.
Auftragswerk von Stefanie de Velasco
Regie: Kathrin Mädler
Bühne und Kostüme: Franziska Isensee
Musik: Marc-Rainer Kamp
Dramaturgie: Saskia Zinsser-Krys
(Theater Oberhausen)
Theater Oberhausen
Willi-Quadflieg-Platz 1
46045 Oberhausen
Haltestelle Marienkirche: Buslinie 122; Haltestelle
Rathaus: Linie 957, Linie 185, Linie CE 94; Linie 143,
Linie 983, Nachlinie NE003
Luise die Erste
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