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Aus der Schublade

Konzert | Anneliese Brost Musikforum Ruhr

Franz Schubert
Symphonie h-Moll D759
Die Unvollendete
Anton Bruckner
Symphonie in d-Moll
Nullte WAB: 100

Bochumer Symphoniker
Aurel Dawidiuk, Dirigent

Manche Werke der Musikgeschichte tragen ein Fragezeichen in sich. Sie scheinen auf halbem Weg stehen geblieben zu sein – und gerade darin liegt ihre besondere Faszination. Unser Konzertprogramm stellt zwei solche außergewöhnlichen Symphonien einander gegenüber: die berühmte „Unvollendete“ von Franz Schubert und die lange missverstandene „Nullte“ von Anton Bruckner.
Mit der Symphonie h-Moll D 759, bekannt als „Unvollendete", öffnet Schubert ein Klangreich von berührender Tiefe. Obwohl nur zwei Sätze vollendet wurden, wirkt das Werk keineswegs fragmentarisch – vielmehr erzählt es eine in sich geschlossene musikalische Geschichte von Sehnsucht, Dunkelheit und lyrischer Schönheit. Gerade das Ungesagte, das Fehlen eines abschließenden Finales, verleiht dieser Musik ihre geheimnisvolle Kraft.
Auch Bruckners Symphonie d-Moll, später „Die Nullte“ genannt, ist von einer ungewöhnlichen Geschichte umgeben. Nachdem ein Dirigent das Werk kritisch beurteilt hatte, verwarf Bruckner die Partitur selbst und versah sie mit dem rätselhaften Vermerk „annulliert“. So erhielt die Symphonie nachträglich die Nummer Null – als stünde sie außerhalb der Reihe. Heute erkennen wir in ihr jedoch ein kraftvolles, leidenschaftliches Werk, das bereits viele der charakteristischen Klangwelten des Komponisten ankündigt.
Gemeinsam erzählen diese beiden Symphonien eine Geschichte vom Unfertigen und Wiederentdeckten: Musik, die zunächst im Schatten stand – weil sie unvollendet blieb oder vom Komponisten selbst verworfen wurde – und die dennoch zu den faszinierendsten Zeugnissen der romantischen Symphonik zählt.
Zwischen Schuberts schwebender Melancholie und Bruckners monumentaler Klangarchitektur spannt sich ein Bogen über zwei Generationen österreichischer Musik. Ein Abend über Zweifel und Visionen – und darüber, wie gerade das Unvollständige manchmal die größte Wirkung entfaltet.
(Bochumer Symphoniker)

Anneliese Brost Musikforum Ruhr

Marienplatz 1
44787 Bochum

Straßenbahn 308/318 bis Haltestelle Bermuda3Eck / Musikform

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