„Nach den letzten Tagen. Ein Spätäbend“
Schauspiel


Besetzung
Regie Christoph Marthaler
Musikalische Leitung Uli Fussenegger
Texte und Konzeption Stefanie Carp
Bühne Duri Bischoff
Kostüm Sarah Schittek
Licht Andreas (Phoenix) Hofer
Regiemitarbeit Gerhard Alt

Mit Tora Augestad, Carina Braunschmidt, Bendix Dethleffsen, Walter Hess, Claudius Körber, Katja Kolm, Stefan Merki, Josef Ostendorf, Elisa Plüss, Bettina Stucky
Musik Uli Fussenegger, Hsin-Huei Huang, Claudia Kienzler, Michele Marelli, Sophie Schafleitner, Martin Veszelovicz

Einführung jeweils 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn.

Aus Anlass des zunehmenden nationalen Chauvinismus in vielen Ländern in und außerhalb Europas beschäftigt sich Christoph Marthaler in seiner Kreation für die Ruhrtriennale 2019 mit dem Verlust von Demokratie. In den Jahren vor 1914 braute sich ideologisch zusammen, was sich dann in zwei Weltkriegen und im Holocaust entlud. Heute erleben wir erschreckend ähnliche Artikulationen in Politik und Öffentlichkeit. In nicht wenigen Ländern Europas drohen demokratische Strukturen einem neuen Totalitarismus zu weichen. Die nationalistische und rassistische Aufrüstung zur Verteidigung alter Besitzverhältnisse scheint attraktiver zu sein als ein transnationales Projekt aufgeklärter europäischer Individuen und eine offene, diverse Gesellschaft. Antidemokratische und aggressive Exklusion, Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus sind wieder gesellschaftsfähig geworden. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ging es, ähnlich wie heute, um Ausgrenzung und Auslöschung der Menschen, die man zu Unbrauchbaren, zu Außenseiter*innen erklärt hatte.

In seinem musikalischen Zentrum ist das Projekt den aus Prag und Wien vertriebenen Komponisten wie Pavel Haas, Viktor Ullmann, Alexandre Tansman, Józef Koffler, Erwin Schulhoff, Gideon Klein, Szymon Laks und Erich Wolfgang Korngold gewidmet. Sie wurden deportiert, ermordet oder gingen in die Emigration. Viele der Kompositionen sind im Konzentrationslager Theresienstadt entstanden, teilweise sind sie Fragmente geblieben. Viktor Ullmann schrieb die Noten seiner letzten Komposition unmittelbar vor der Deportation nach Auschwitz.

Die Musik erklingt in einem imaginierten Parlament, in dem Abgeordnete dokumentierte Reden aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, der Gegenwart und der nahen Zukunft halten, die katastrophale Zivilisationsbrüche bezeugen. Die Produktion wird für das Auditorium Maximum der Ruhr-Universität Bochum kreiert, das sich in ein Weltparlament verwandelt, in dem wir als Zuschauer*innen aus der Gegenwart und einer erkennbaren Zukunft auf ein zerstörtes Europa blicken.
(Ruhrtriennale 2019)



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