„Prinzessinendramen“
Der Tod und das Mädchen I -V
Elfriede Jelinek
Premiere: 24. April 2020

Fünf „Prinzessinnen“, deren Tode man aus Märchen und Musik, Literatur und Medien kennt, melden sich zu Wort. „Schneewittchen“ irrt als „Wahrheitssucherin“ durch den Wald, von dem sie sich bald wünscht, sie hätte ihn vor lauter Bäumen nie gesehen. „Dornröschen“ wird von Mr. Right wachgeküsst, erstarrt aber schnell wieder angesichts der bevorstehenden Paarung. In „Rosamunde“ spricht „eine Prinzessin, die fern in der Einöde lebt, ... sich in Grandiositätsphantasien ergeht, in ihrem eigenen Schreiben ... und die dann doch irgendwie überlebt“ (Elfriede Jelinek). „Jackie“ hingegen, glamouröse Ex-First Lady, schleppt sich gleich mit einer ganzen Schar von Leichen auf die Bühne, wo sie sardonisch zurückblickt auf ihr Leben und das einer anderen berühmten Toten, Marilyn, Geliebte ihres Mannes. Und in „Die Wand“ feiern zwei Ikonen weiblichen Schreibens, Ingeborg (Bachmann) und Sylvia (Plath), ein rituelles Schlachtfest.

Fernab ausgetretener Opfer- und Täterpfade sind Jelineks Prinzessinnendramen eine Art Macht- und Mentalitätsgeschichte der Geschlechter, geschrieben mit schonungslosem Blick, unorthodox, bitterernst und entwaffnend selbstironisch.

Die Emanzipation der Frau von der Gewaltherrschaft der Männer und das implementierte Scheitern derselben sind seither Themen der Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, geboren 1946. Aggressiv reibt sie die versteinerte Sprache auf, entwirft grausame Bilder der zwischenmenschlichen Brutalität und Gefühlskälte in ihrer Dramatik und Prosa.

Jelinek gelingt es, dank ihres buchstäblich unheimlichen Talents, Alltagsgeschichte auf den Grund zu gehen. Welche Entfaltungsmöglichkeiten hat eine Frau? Sie kann einen Mann heiraten, der ihr den gesellschaftlichen Aufstieg garantiert. Doch wie andere Möglichkeiten, so sind auch sozial attraktive Männer rar, und die attraktivsten sind schon vergeben. So setzt ein Konkurrenzkampf auf Leben und Besserleben ein, der mit Wucht ausgetragen wird. Alle sind die Betrogenen.

„Ich wollte schon immer ein Dreieck. Es gibt nichts Reizenderes, an was ich denken kann. Beine breit geöffnet, Augen aufgerissen, Arme süß verdreht. Oder vielleicht anders: Einkaufstaschen noch in der Hand, Haarklammer gebrochen, Nagellack abgesplittert. Ganz simpel und wie immer: Frau, Mann, Unterdrückung“, so Paulina Neukampf über die „Prinzesinnendramen“. Die Regisseurin wurde in Polen geboren und wuchs nahe der deutschen Grenze auf der Insel Wollin auf. Sie studierte zunächst Technische Kybernetik und Polnische Philologie in Poznan. Nach einem Aufenthalt in Tokio und einer Weiterbildung in Butoh-Tanz und Noguchi Taiso kam sie 2006 nach Deutschland. Im Jahr 2015 absolvierte sie ein Regiestudium an der Theaterakademie Hamburg. Im selben Jahr wurde ihre Inszenierung „FaustIn and Out“ im Rahmen des Körber Studios mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Sie inszeniert u.a. am Schauspielhaus Hamburg und am Jungen Ensemble Stuttgart. Am Theater Oberhausen ist ihre Regiearbeit „Hier kommt keiner durch!“ weiterhin zu sehen.
(Theater Oberhausen)

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