Philipp Noack, Stefan Migge, Jan Pröhl
© Martin Kaufhold
„Biedermann und die Brandstifter“
Schauspiel
Max Frisch
Wiederaufnahme: 19. Dezember 2020

Inszenierung Moritz Peters
Bühne Nehle Balkhausen
Kostüme Arianna Fantin
Videografie Moritz Ermert
Musik und Sounddesign Marc Eisenschink
Dramaturgie Florian Heller

Der Haarwasserfabrikant Gottlieb Biedermann hat es satt. Ob am Stammtisch oder zuhause: Überall wird nur noch von vagabundierenden Brandstiftern geredet, die zündeln und ganze Städte in Schutt und Asche legen. Sei-ne Frau Babette kann deswegen schon gar nicht mehr richtig schlafen. Prompt steht auch vor der Tür des Geschäftsmannes ein fremder Mann und bittet um Hilfe. Handelt es sich hier etwa um einen dieser dreisten Brandstifter? Der Obdachlose appelliert an Biedermanns Mitgefühl, bis dieser ihm Unterschlupf gewährt. Mulmig wird dem Hausherrn jedoch spätestens, als mit Wilhelm Eisenring ein weiterer Gast einzieht; noch mulmiger, als die Besucher Benzinfässer auf dem Dachboden lagern, Zündschnüre basteln und ständig nach Streichhölzern fragen. Da hilft nur die Flucht nach vorn: Biedermann lädt die Gäste zu einem großzügigen Abendessen ein – man zündet doch wohl nicht das Haus seines freundlichen Gastgebers an! Oder doch? Max Frisch beschreibt in seinem „Lehrstück ohne Lehre“ aus dem Jahr 1957 meisterhaft, wie eine aufgeklärte Bürgerschaft nicht nur gesellschaftszersetzende Strukturen akzeptiert, sondern sie durch die eigene Passivität sogar erst ermöglicht. Während die Brandstifter offen zugeben, Brandstifter zu sein, verschließt Biedermann die Augen vor dieser Wahrheit. Eine hochexplosive Mixtur aus Bequemlichkeit und falsch verstandener Toleranz, aus Hilfsbereitschaft und Konfliktvermeidung, aber auch aus Geschäftssinn und Egoismus ebnet dem zerstörerischen Zündeln den Weg. Der mahnende (Feuerwehr-)Chor, den Frisch nach antikem Vorbild seinem Protagonisten zur Seite bzw. gegenüberstellt, warnt ohne Wirkung – bis es zum Löschen zu spät ist! Max Frisch lässt seinen Protagonisten im 1959 ergänzten Nachspiel auf „schuldlos“ plädieren und zeigt damit einen uneinsichtigen Biedermann, der noch immer nicht verstanden hat, dass totalitäre Systeme nicht zuletzt mit Hilfe der Bevölkerung entstehen. Denn: „Wegschauen ist Ermöglichen.“ (Oskar Negt)

Moritz Peters, geboren 1981 in New Haven, USA, absolvierte von 2001 bis 2005 ein Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt. Anschließend war er vier Jahre lang Ensemblemitglied des schauspielfrankfurt. 2009 wechselte er ans Zimmertheater Tübingen, wo er auch eine erste eigene Inszenierung realisierte. Von 2010 bis 2013 war er als Regieassistent am Schauspiel Essen engagiert. Seit 2013 ist Moritz Peters als freischaffender Regisseur tätig, u. a. am Staatstheater Cottbus, Theater Münster, Rheinischen Landestheater Neuss und am Theater Potsdam. „Biedermann und die Brandstifter“ ist bereits seine fünfte Arbeit für das Schauspiel Essen. Seine Inszenierung von Franz Kafkas „Der Prozess“ wurde 2014 zum NRW-Theatertreffen eingeladen. Dafür erhielt er zudem eine Nennung zum Nachwuchsregisseur des Jahres in der Fachzeitschrift Theater heute. Am Schauspiel Essen inszenierte Moritz Peters zuletzt in der Spielzeit 2015/2016 Bertolt Brechts „Der gute Mensch von Sezuan“.
(Theater und Philharmonie Essen)

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