© Christian Schuller
„Einige Nachrichten an das All“
Schauspiel
Wolfram Lotz
Premiere: 13. Dezember 2019

All the world‘s a stage? Der Satz von Shakespeare geht runter wie Öl. Denn wir alle kennen die Momente, in denen wir versuchen, die Bahn zu erwischen und dabei möglichst cool auszusehen, für den Fall, sie zu verpassen. Was, wenn wir den Gedanken weiterdenken? Werden wir beobachtet, während wir den Bahnsteig entlanghechten? Weiß jemand, welchen Zug wir erwischen werden? Ist das alles gescriptet? Müssen wir den Gedanken verkleinern, um ihn zu begreifen? Bis er so klein wird wie ein Zierfischaquarium?

Purl und Lum jedenfalls, beide körperlich versehrt, wollen erstmal größer werden: Sie wollen ein Kind. Schnell merken sie, dass sie ihr Schicksal nicht beeinflussen können, denn ihr Leben ist in dem Theaterstück festgeschrieben, in dem sie selbst Figuren sind. Der LdF, Leiter des Fortgangs, bedient eine Maschine, die gesprochene Worte in Funkwellen verwandelt und die Botschaften per Satellitenschüssel ans All sendet – „damit man dort erfährt, was uns Menschen bewegt“. Zu Wort kommen Personen aus Historie und Medien: Die dicke Frau, die zu Gast war in der Talkshow Britt, die totgeglaubte Hilda und ihr alleinerziehender Vater, der Botaniker Rafinesque aus dem 19. Jahrhundert, der CDU-Politiker Ronald Pofalla und der Dichter

Heinrich von Kleist. Können Purl und Lum vom LdF einen Ausweg aus dem festgeschriebenen Stück erwarten?

Verschroben und komisch zeichnet Wolfram Lotz eine skurrile und verletzliche Sammlung an Figuren, die um die richtige Nachricht ans All ringen. Gibt es irgendetwas, was einen Sendeplatz in dieser Welt der ewigen Gleichzeitigkeit verdient?

Regisseurin Franziska Henschel begreift Schauspiel als choreografische Praxis. Sie entwickelt und inszeniert Stücke für Kinder und Erwachsene, lehrt u.a. an der Theaterakademie Hamburg und der Universität der Künste Berlin. Ihre Oberhausener Inszenierung „Nachts“ wurde 2019 zum Theatertreffen des Kinderund Jugendtheaters „Augenblick Mal!“ nach Berlin eingeladen. Zuletzt kam in Oberhausen ihre Inszenierung „Die Anmut der Vergeblichkeit“ zur Uraufführung.

Mit „Einige Nachrichten an das All“ macht sie den Versuch, dieses Stück und dessen detailverliebte Regieanweisungen sehr genau zu lesen und es damit an die Ränder der Darstellbarkeit zu spülen.
(Theater Oberhausen)

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