Simona Saturova, Maik Solbach
© Ben van Duin
„Die Entführung aus dem Serail“
Singspiel in drei Aufzügen
Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
Premiere am 10. Juni 2012

Libretto: Gottlieb Stephanie dem Jüngeren frei nach Christoph F. Bretzner
Uraufführung: 16. Juli 1782 am Burgtheater in Wien

Personen
Konstanze; (Sopran); Blonde, ihre Zofe (Sopran); Belmonte, ein junger spanischer Edelmann (Tenor); Pedrillo, sein Diener, jetzt Aufseher in den Gärten des Bassa (Bariton); Osmin, Aufseher über das Landhaus des Bassa (Bass); Selim Bassa (Sprechrolle).

Ort und Zeit
Landgut des türkischen Bassa Selim, Mitte des 16. Jahrhunderts.

Inhalt
1. Akt
Der junge Spanier Belmonte sucht bei dem Landhaus des Bassa Selim, einem gebürtigen Spanier, einst Christ und jetzt Moslem, nach seiner Verlobten Konstanze. Sie wurde zusammen mit ihrer englischen Zofe Blonde und deren Freund, dem Diener Pedrillo, von Seeräuber verschleppt und auf einem Sklavenmarkt verkauft. Am Ufer des Meeres trifft Belmonte auf Osmin, den Aufseher über das Landhaus. Doch auf den Namen Pedrillo reagiert dieser grob und unhöflich, da dieser zum Aufseher über die Gärten ernannt wurde. Nach dem Weggang Osmins tritt Pedrillo auf. Die beiden Männer freuen sich über ihr Wiedersehen und hecken einen Fluchtplan aus. Da kehren Bassa und Konstanze von einer Schifffahrt zurück, bei der der Selim der jungen Frau wieder seine Liebe gestanden hat und er ihr einen Tag Bedenkzeit gibt, um sich über ihre Gefühle klar zu werden. Aber Konstanze beteuert, dass ihr Herz bereits vergeben ist. Pedrillo stellt Belmonte als Baumeister vor. Selim stellt ihn ein, doch Osmin verweigert Belmonte den Zutritt zum Landhaus.


2. Akt
Osmin hat die schöne Blonde vom Selim als Geschenk erhalten. Im Garten unternimmt er rüde Annäherungsversuche, doch sie wehrt diese mit einem Vortrag über Stolz und Rechte der europäischen Frau ab. Konstanze wird vom Bassa mit Androhungen von Gewalt unter Druck gesetzt, seinen Werbungen nachzugeben. Doch sie will eher sterben als ihrem Verlobten untreu zu werden. Ihre Zofe versucht sie trösten. Die Treue und Charakterstärke der jungen Frauen beeindruckt den Selim und er zieht sich zurück. Da erscheint Pedrillo. Er kann endlich den beiden Frauen mitteilen, dass Belmonte eingetroffen ist und sie einen Fluchtplan ausgeheckt haben. Dafür muss Osmin mit einem Wein, in den ein Schlafmittel gemischt wurde, aus dem Weg geschafft werden. Als Osmin eingeschlafen ist, kommt Belmonte und die beiden Paare finden sich.

3. Akt
Ein Boot soll die Paare aufs Meer hinausbringen. Pedrillo gibt das verabredete Zeichen. Doch durch Liebesbeteuerungen, einen vergessenen Mantel und einem verlegten Schleier verzögert sich die Flucht, so dass der wieder erwachte Osmin das Paar Blonde und Pedrillo zu fassen bekommt. Auch das andere Paar wird vor den enttäuschten Selim gebracht. Zu seiner Entrüstung und Enttäuschung gesellt sich bei Selim noch die Erkenntnis, dass Belmonte der Sohn seines Todfeindes ist. Die vier Gefangenen sollen hingerichtet werden. Doch Selim Bassa begnadigt die Liebenden aus Großmut. Er will nicht die gleich Untaten begehen wie Belmontes Vater, der ihm die Geliebte raubte und ihn zwang, seine Güter und Ländereien zu verlassen Auch wenn Osmin dagegen protestiert, schenkt er den Gefangenen die Freiheit, in ihre Heimat zurückzukehren. Die glücklichen Befreiten singen ein Loblied auf den Bassa.
(Sigrid Riemer für die Theatergemeinde Essen)

Keine andere Oper Mozarts hat in den vergangenen Jahren so kontroverse szenische Lösungen erfahren wie "Die Entführung aus dem Serail" von 1782, ist dieses Singspiel doch Mozarts Türkenoper, in der nicht nur mehrfach Janitscharenmusik erklingt, sondern aus dem Verständnis der damaligen Zeit auch die Kulturen Mitteleuropas und des Osmanischen Reichs mit einiger Heftigkeit aufeinanderprallen. Zudem war Wiens Belagerung durch die Türken noch in frischer Erinnerung, was die Oper mit ihrem unvermittelt glücklichen Ausgang nach dem Motto "Es ist gerade noch einmal gut gegangen" durchaus reflektiert. Dass Mozart und sein Librettist Gottlieb Stephanie d. J. solche Subtexte vorsätzlich ihrer Oper unterlegt haben, ist allerdings eher unwahrscheinlich. Mozarts Intention war sicherlich, mit diesem Singspiel ein Zeichen zu setzen für das von Kaiser Joseph II. geforderte "deutsche Nationaltheater" als Gegenpol zur damals vorherrschenden italienischen Oper und zugleich seinem Herrscher zu huldigen, der im Jahr zuvor sein Erstes Toleranzpatent verkündet hatte, mit dem im Deutschen Reich das Ende der Gegenreformation besiegelt wurde. Da die Erstaufführung ursprünglich im Rahmen der Festlichkeiten eines Staatsbesuchs des russischen Zaren in Wien erfolgen sollte, liegt es nahe, im milden, verzeihenden Bassa Selim eine Allegorie auf den Herrscher zu vermuten. Zudem trug der Inhalt allein schon durch die Namensgleichheit der Figur der Konstanze mit seiner künftigen, gegen Widerstände errungenen Frau Parallelen zu Mozarts persönlicher Lebenssituation. Das pochende Herz des Liebhabers Belmonte, das die Musik mit der Genauigkeit eines Kardiogramms nachzeichnet, ist eben nichts anderes als des Komponisten eigener Herzschlag. Carl Maria von Weber, mit dem "Freischütz" der Begründer der eigentlichen deutschen Nationaloper, analysierte das später so: "Ich glaube in dieser heiteren, in vollster Jugendkraft lodernden, jungfräulich zart empfindenden Schöpfung das zu erblicken, was jedem Menschen seine frohen Jünglingsjahre sind, deren Blütezeit er nie wieder so erringen kann und wo beim Vertilgen der Mängel auch unwiederbringliche Reize fliehen. Opern wie Figaro und Don Juan war die Welt berechtigt, mehrere von ihm zu erwarten. Eine Entführung konnte er mit dem besten Willen nicht wieder schreiben."
(Aalto-Theater Essen)

Inszenierung: Jetske Mijnssen
Bühne: Sanne Danz
Kostüme: Arien de Vries
Choreinstudierung: Jens Bingert

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