Christian Bayer
© Machado Rios
„Antigone“
Schauspiel
Sophokles
Premiere am 6. Oktober 2017

Regie: Babett Grube
Bühne: Demian Wohler
Kostüme: Hanne Lauch
Dramaturgie: Lucie Ortmann

Nach dem Tod des inzestuösen Paares Iokaste und Ödipus sollen ihre Söhne Polyneikes und Eteokles abwechselnd die Herrschaft ausüben. Darüber verfeindet, töten sich die beiden schließlich gegenseitig im Kampf. Ihr Onkel Kreon übernimmt die Macht, ehrt den einen und lässt den Leichnam des anderen vor der Stadtmauer liegen. Um seine Autorität zu festigen, verbietet er unter Androhung der Todesstrafe die ordentliche Bestattung von Polyneikes. Doch dessen Schwester Antigone widersetzt sich empört Kreons Verbot.

Immer wieder wird der antike Stoff so gelesen: Antigones eigenmächtige Tat stellt verwandtschaftliche Bindung vor die Verpflichtungen, die Kreon als Staatsmacht auferlegt. So wird sie zum Inbegriff eines Widerstands, für ihre Familie und für ein heiliges Recht auf Bestattung. Doch ist die Geschichte dieses Clans von Krieg, Inzest, Mord, Verbannung geprägt und Antigone selbst in dieses brutale Erbe verstrickt. Deutlich betont sie, dass sie für ihren Bruder bereit ist, gegen das Gesetz zu verstoßen, jedoch nicht für andere Verwandte. Ihr Handeln ist also absolut kein allgemeingültiges, das für eine Heroisierung taugt. Zudem weigert sie sich, ihr Leben für ihren Bräutigam zu retten, Ehefrau und Mutter zu werden. Ihr altgriechischer Name bedeutet denn auch: anti = gegen, gone = die Geburt. Welche Konzepte von Verwandtschaft, Gemeinschaft und Herrschaft werden hier eigentlich verhandelt?

Hausregisseurin Babett Grube (*1980) begibt sich in ihren Arbeiten auf die Suche nach konkreten Adressierungen ihres Publikums. Sie entwickelt hierbei eine gleichzeitig schonungslose wie ethische Arbeitsweise. Radikal stellt sie sich den Fragen „Warum jetzt?“ und „Warum hier?“. Mit großem Erfolg: Ihre Inszenierungen wurden zahlreich ausgezeichnet und zu Festivals eingeladen – so gewann „Demut vor deinen Taten, Baby“ von Laura Naumann beim Festival „Radikal jung“ den Publikumspreis 2013. Für „Tigermilch“ nach Stefanie de Velasco wurde sie 2015 für den Deutschen Theaterpreis „Der Faust“ nominiert.
(Theater Oberhausen 2017/18)

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