Boris Statsenko; Morenike Fadayomi
© Hans Joerg Michel
„Tosca“
Melodrama in drei Akten
Giacomo Puccini (1858-1924)
Premiere 21.12.2011

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Inszenierung: Dietrich Hilsdorf
Musikalische Leitung: Enrico Dovico / N. N.

Libretto: Giuseppe Giacosa und Luigi Illica nach dem Drama La Tosca von Victorien Sardou
Uraufführung: 14. Januar 1900 im Teatro Costanzi in Rom
Deutschsprachige Erstaufführung: 21. Oktober 1902 an der Semperoper in Dresden

Ort und Zeit der Handlung
Rom am 17. und 18. Juni 1800

Personen
Floria Tosca, Opernsängerin (Sopran); Mario Cavaradossi, Maler (Tenor); Baron Scarpia, Polizeichef (Bariton); Spoletta, Gendarm (Tenor); Sciarrone, Gendarm (Bass); Cesare Angelotti, politischer Gefangener (Bass); Mesner (Bass); Schließer (Bass); Ein Hirtenknabe (Knabenalt).

Historischer Hintergrund
Französische Truppen haben im Zweiten Koalitionskrieg im Februar 1798 den Kirchenstaat erobert und die Römische Republik errichtet. In der Schlacht an der Trebbia siegen am 19. Juni 1799 die russisch-österreichischen Koalitionstruppen, woraufhin sich die Franzosen aus Rom zurückzogen. Die neapolitanische Armee unter König Ferdinand IV. marschierte am 30. September 1799 in Rom ein. In der Folgezeit waren Vertreter der ehemaligen Republik, wie zuvor in Neapel, blutigen Racheakten sowie Verfolgung ausgesetzt. (In der Oper Tosca ist Cesare Angelotti ein Konsul der ehemaligen Republik Rom und wurde in der Engelsburg eingekerkert.)
Am 9. November 1799 übernimmt Napoleon Bonaparte in Frankreich in einem Staatsstreich als Erster Konsul die Regierung. Ein Friedensangebot wird von der Koalition abgelehnt. Daher begann Bonaparte im Frühjahr 1800 einen Feldzug gegen Österreich und überschritt im Mai 1800 mit seiner Armee die Alpen nach Norditalien. Zwischen den Truppen Frankreichs und Österreichs kam es am 14. Juni 1800 im Piemont zur Schlacht bei Marengo. Die Österreicher erstürmten gegen Mittag Marengo, so dass sich die Franzosen zurückziehen mussten. Jedoch drehte sich die Schlacht am Nachmittag und die Franzosen konnten schließlich die Koalitionstruppen schlagen. (Im 1. Akt von Tosca wird der Sieg über Napoleon gemeldet; im 2. Akt kommt die Nachricht von der Niederlage der Koalition.)

1. Akt
In der Kirche Sant'Andrea della Valle
Auf der Flucht aus dem Staatsgefängnis Engelsburg ist Cesare Angelotti, der Konsul der ehemaligen Republik Rom, in die Kirche Sant'Andrea della Valle geschlüpft, um sich in der Familienkapelle der Attavanti zu verstecken. Seine Schwester, die Marchesa Attavani, hat dort Frauenkleider zum Verkleiden und Nahrungsmittel für ihn deponiert. Der Maler Mario Cavaradossi, ein Freund Angelottis, erscheint, um weiter an einem Altarbild mit dem Bildnis der Maria Magdalena zu arbeiten. Dem dazukommenden Mesner (Küster) fällt die Ähnlichkeit mit einer schönen Unbekannten, die in den letzten Tagen oft in der Kirche gebetet hat, auf. Der Maler gibt zu, diese als Vorbild genommen zu haben, schwärmt aber dem Mesner auch von seiner großen Liebe zur Sängerin Floria Tosca vor. Als der Mesner entsetzt von den Schwärmereien des Malers flüchtet, kommt Angelotti aus seinem Versteck. Cavaradossi will seinem Freund Angelotti weiterhelfen. Doch bevor sie alles besprechen können, erscheint Tosca, und Angelotti muss sich wieder verstecken. Eifersüchtig wirft Tosca ihrem Geliebten Untreue vor, da die Kirchentüren verschlossen waren. Tosca geht ab, und die beiden Männern können das weitere Vorgehen besprechen. Da hören sie einen Kanonenschuss von der Engelsburg, der meldet, dass die Flucht Angelottis entdeckt wurde. Nachdem Cavaradossi mit Angelotti sich auf in sein Haus gemacht hat, kommt der Mesner mit Geistlichen und Chorknaben in die Kirche, um den Sieg der österreichischen Truppen bei Marengo zu feiern. In die Feierlichkeiten kommt Polizeichef Baron Scarpia auf der Verfolgung Angelottis in die Kirche. Er findet in der Kapelle den Fächer der Schwester Angelottis und einen geleerten Esskorb, erkennt auch die Ähnlichkeit des Madonnenbildnisses mit der Schwester. Er ahnt, wer dem Flüchtigen geholfen hat. Da kehrt Tosca zurück, um ihrem Geliebten mitzuteilen, dass sie abends auf der Siegesfeier singen solle. Scarpia schafft es durch seine Hinweise, die Eifersucht wieder zu entflammen. Wütend eilt Tosca zum Wohnsitz des Malers, um ihn dort in Flagranti zu ertappen. Scarpia schickt den Polizeiagenten Spoletta hinter Tosca her, um die Spur des Flüchtigen wiederzufinden.

2. Akt
Scarpias Räume im Palazzo Farnese
Während eines Festes der Königin Karolina Maria aus Anlass des Sieges gegen Bonaparte prahlt Scarpia von seinen gewaltsamen Fraueneroberungen und berichtet, dass er auch Tosca heute noch überwältigen will. Dazu soll Gendarm Sciarrone Tosca zu ihm bringen. Polizeiagent Spoletta kommt von der Durchsuchung der Villa Cavaradossis, bei der sie den Flüchtigen Angelotti nicht gefunden haben. Nur Cavaradossi haben die Polizisten zum Verhör mitgebracht. Doch Cavaradossi weigert sich, den Aufenthaltsort Angelottis zu verraten. Daraufhin soll Cavaradossi gefoltert werden. Der herbeigebrachten Tosca kann der Maler noch Stillschweigen über die Vorgänge in der Villa befehlen. Doch Tosca bricht ihr Schweigen, als sie die Schmerzensschreie ihres Geliebten bei der peinlichen Befragung hören muss, und verrät das Versteck Angelottis. Dieser begeht aber Selbstmord, als ihn die Häscher Scarpias verhaften wollen. Der schlimm zugerichtete Cavaradossi bricht in Jubel aus, als Sciarrone die Nachricht vom Sieg Napoleons gegen die mit dem Kirchenstaat verbündeten Österreicher in der Schlacht von Marengo berichtet. Daraufhin soll er endgültig hingerichtet werden. Scarpia bietet Tosca ein Handel an: das Leben Cavaradossis wenn sie ihm zu Willen ist. In ihrer Verzweiflung lässt sich Tosca nach erstem Zögern doch auf den Handel ein. Daraufhin erteilt Scarpia den Befehl für eine Scheinhinrichtung Cavaradossis und schreibt einen Geleitbrief für Tosca und Cavaradossi, um die Stadt unbehelligt verlassen zu können. In einem Augenblick der Unachtsamkeit nimmt Tosca ein scharfes Messer vom Tisch. Als Scarpia sich Tosca nehmen will, sticht sie ihm unter Verwünschungen das Messer in die Brust.

3. Akt
Gefängnis in der Engelsburg
Während seine Hinrichtung vorbereitet wird, schreibt Cavaradossi einen Abschiedsbrief an Tosca. Da erscheint Tosca mit dem Passierschein Scarpias im Gefängnis und berichtet von den Geschehnissen. Sie erzählt ihm, dass das Urteil nur zum Schein vollstreckt werden soll, er mitspielen muss und nach den Schüssen mit Platzpatronen solange "wie tot" liegenbleiben soll, bis sie ihn holt. Beide träumen von ihrem gemeinsamen Leben in der Freiheit. Da erscheint das Erschießungskommando und erschießt Cavaradossi. Nachdem die Soldaten abgezogen sind und Cavaradossi sich trotz der Aufforderungen Toscas nicht erhebt, wird ihr klar, dass Scarpia sie betrogen hat: Cavaradossi ist wirklich tot. Nachdem der Tod Scarpias entdeckt wurde, kommen Spoletta mit seinen Schergen, um Tosca zu verhaften. Doch diese stürzt sie sich von der Engelsburg in die Tiefe.

Entstehung
Puccini äußerste schon 1889 den Wunsch, das Drama "La Tosca" von Victorien Sardou (1831-1908) zu vertonen. Der Dichter lehnte dies jedoch ab. Erst 1896, kurz nach der Vollendung der Oper "La Bohème", kam Puccini auf das Drama zurück, das in der Zwischenzeit außerordentlich erfolgreich war, nicht zuletzt durch die Verkörperung der Titelrolle durch Sarah Bernhardt. Nachdem Puccini zusammen mit Giuseppe Giacosa und Luigi Illica, das Libretto erarbeitet hatte, begann der Komponist im Januar 1898 mit seiner Arbeit. Im September 1899 war die Partitur abgeschlossen.
(Sigrid Riemer für die Theatergemeinde Essen)

Giacomo Puccini (1858-1924) schrieb seine Oper 1889 nach dem Drama „La Tosca“ des französischen Schriftstellers Victorien Sardou. „Quäle die Heldin“ nannte dieser das Rezept seines Erfolges. Puccini übernahm dieses Rezept in der Konzeption seiner Oper, auch wenn er seine Heldin zunächst im Wahnsinn enden lassen wollte und nicht wie Sardou im Tod, der ihm zu hart erschien.
Regisseur Dietrich Hilsdorf treibt den Aspekt der psychischen Folter Toscas durch Scarpia auf die Spitze. Durch diese Qualen verfällt die Sängerin schließlich dem Wahnsinn, den Puccini einst für sie vorgesehen hatte: Tosca kann nicht mehr zwischen Realität und Fiktion unterscheiden. Getreu dem Zitat aus dem Libretto „Nie war Tosca auf der Bühne tragischer“ zeigen Hilsdorf und sein Bühnenbildner Johannes Leiacker in der Konfrontation der eifersüchtig-liebenden Sängerin mit Scarpias Polizeistaat einen „realistischen Psychokrimi“ (Ulrich Schreiber), der an atmosphärischer Spannung kaum zu überbieten ist.
(Deutsche Oper am Rhein)

Termine & Bestellung

Dienstag,
09.01.2018
Theater Duisburg  |  19.30 Uhr - 22.00 Uhr
Tosca
Oper  Giacomo Puccini (1858-1924)
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