J. Malchow; A. Holst; T. Büchel; J. D. Talinski; F. Kleinpaß
© Martin Kaufhold
„Der Prozess“
Schauspiel
Franz Kafka (1883-1924)
Premiere am 18. Oktober 2013

Bühnenfassung von Moritz Peters

Inszenierung: Moritz Peters
Bühne: Lisa Marie Rohde
Kostüme: Christina Hillinger
Musik: Tobias Schütte
Videografie: Daniel Frerix
Dramaturgie: Anna-Sophia Güther

Der aus einer bürgerlichen jüdischen Kaufmannsfamilie stammende Franz Kafka wurde am 3. Juli 1883 in Prag, Österreich-Ungarn geboren. Der deutschsprachige Schriftsteller zahlreicher Erzählungen starb bereits am 3. Juni 1924 in Klosterneuburg-Kierling, Österreich. Zu seinem Hauptwerk gehören weiterhin die drei Romanfragmenten Der Process, Das Schloss und Der Verschollene. Gegen seine testamentarische Verfügung hat sein enger Freund und Vertrauter Max Brod die meistenteils noch unveröffentlichten Werke Kafkas nach seinem Tod herausgebracht, die heute zur Weltliteratur gehören.
Auch der Prozess wurde posthum veröffentlicht. Entstanden war der unvollendete Roman zwischen Sommer 1914 und Januar 1915. Kafka begann den Roman nach einer letzten Aussprache mit Felice Bauer, nachdem die Verlobung im Juli 1914 aufgelöst worden war. Diese Aussprache empfand Kafka als "Gerichtshof". Auch nach dem Beginn des ersten Weltkrieges arbeitete Kafka weiter an dem Roman, beendete jedoch die Arbeit nicht, sondern wandte sich anderen Werken zu, wie z. B. der Erzählung In der Strafkolonie. Da Kafka seine Niederschriften in keine genaue Reihenfolge brachte, bzw. sortierte, können die Teile des Romans nicht genau zugeordnet werden. Trotz einiger neuer Versuche schloss Kafka das Werk bis zu seinem Tode nicht ab.

Kafkas Freund Max Brod brachte 1925 die erste Ausgabe unter dem Titel Der Prozess im Berliner Verlag "Die Schmiede" heraus. Er legte die Reihenfolge und die Inhalte der Kapitel fest, in Erinnerung an Kafkas Lesungen des Werkes. Diese Ausgabe erweiterte Brod 1935 und 1946 nochmals mit unvollendeten Kapiteln und gestrichenen Stelle. Die immerwährende Diskussion über die Reihenfolge der Kapitel führte im Laufe der Zeit zu zahlreichen weiteren Ausgaben, wie z. B. die Kritische Kafka-Ausgabe, die Historisch-kritische Ausgabe oder die Ausgabe von Christian Eschweiler.
Das Werk hat zahlreiche Adaptionen im Theater, Musik und Film erfahren, z. B. 1970 durch den Schriftsteller und Regisseur Steven Berkoff in London, 1974 durch den Schriftsteller Peter Weiss, 1953 mit einer Oper von Gottfried von Einems oder 1962 mit einem Film von Orson Welles.


Handlung
Ohne bewusste Schuld wird der Bankprokurist Josef K. am Morgen seines 30. Geburtstages verhaftet. Er darf weiter arbeiten und sich frei bewegen. Um sich verteidigen zu können, versucht Josef K. den Grund seiner Anklage herauszufinden. Er findet jedoch nur ein schwer greifbares Gericht in einem weit verzweigten Gewirr unübersichtlicher Räume auf den Dachböden großer ärmlicher Mietskasernen und fühlt sich den undurchsichtigen Verhältnissen und anonymen Mächten ausgeliefert. Die mit dem Gericht in Verbindung stehenden Frauen, die ihm helfen sollen, üben eine große erotische Anziehungskraft auf Josef K. aus. Josef K. wird immer weiter in das albtraumhafte Labyrinth einer surrealen Bürokratie gezogen, auch wenn er dies anfangs ablehnte. Über eine Verhandlung, den Prozess und das Urteil bleiben Josef K. und auch der Leser im Unklaren. Jedoch merkt Josef K., dass seine Zeit abgelaufen ist und er fügt sich einem nicht greifbaren, mysteriösen Urteilsspruch. Ohne Anklage oder wirklichem Urteilsspruch wird er am Vorabend seines 31. Geburtstages von zwei Herren abgeholt und in einem Steinbruch "wie ein Hund" erstochen.
(Sigrid Riemer für die Theatergemeinde Essen)


Der Bankangestellte Josef K. wird am Morgen seines 30. Geburtstages verhaftet. Doch es wird keine Anklage formuliert, und er darf auch sein alltägliches Leben weiterhin in Freiheit führen. Dennoch lasten ab jetzt unweigerlich das Gefühl der Ohnmacht sowie die Frage nach Schuld auf ihm. K. macht sich also auf die Suche, scheint aber stets Spielball eines undurchschaubaren bürokratischen Systems zu bleiben. Sein Weg, gesäumt von erotischen Eskapaden und absurd-unheimlichen Abenteuern, führt ihn in verschiedensten Episoden immer wieder in eine nicht von ihm beeinfluss- oder beherrschbare Lage. Sind es Prüfungen, denen er unterzogen wird? Und welche Gesetze walten dort eigentlich?

Franz Kafkas Roman “Der Prozess”, zwischen 1914 und 1915 entstanden, Fragment geblieben und posthum erschienen, zeigt parabelhaft das sinnentleerte Dasein und ziellose Streben des Individuums in einer anonym gewordenen Welt. Dem Protagonisten steht eine geschlossene Ordnung gegenüber, die nicht nur ihrem eigenen Regelwerk folgt, sondern sich auch in allen Lebensbereichen manifestiert – in der Arbeit, in den zwischenmenschlichen Beziehungen, sogar in der Kirche findet K. plötzlich Angehörige dieses Gerichts. Dass er die systemische Eigenlogik erst erfüllt, indem er mitspielt, ist K. dabei kaum bewusst. So wird er immer tiefer in ein Labyrinth hineingezogen. Da ihm die herrschenden Regeln unbekannt sind, kann er letztlich nur verlieren: Das Todesurteil wird vollstreckt, ohne vorherige Verkündung. Damit geht K. zugrunde an einer Welt, die sich längst jeder Sinnhaftigkeit entzogen hat.
(Schauspiel Essen 2013/14)

Termine & Bestellung

Donnerstag,
08.03.2018
Grillo Theater, Essen  |  19.30 Uhr - 21.15 Uhr
Der Prozess
Schauspiel  Franz Kafka (1883-1924)
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Dienstag,
13.03.2018
Grillo Theater, Essen  |  19.30 Uhr - 21.15 Uhr
Der Prozess
Schauspiel  Franz Kafka (1883-1924)
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